Austrian Flugzeuge während der COVID-19-Krise

Können Flugzeuge einfach wie ein Auto geparkt werden? Oder bedarf es speziellen Vorkehrungen? Wir verraten euch hier mehr dazu.

Teilen
Die Austrian Flugzeuge am Boden

Die Austrian Flugzeuge am Boden

In Normalzeiten sind rund 25.000 Verkehrsflugzeuge weltweit im Einsatz. Jeden Tag werden so rund 100.000 Flüge durchgeführt und mehr als sechs Millionen Passagiere befördert. Doch mit der COVID-19-Krise kam es hier zu einem deutlichen Rückgang innerhalb weniger Tage und Wochen. Die internationale Luftverkehrs-Vereinigung IATA schätzt, dass im April 2020 90% aller Verkehrsflugzeuge weltweit am Boden stehen. Rund um den Globus parken zahlreiche Flugzeuge am Vorfeld verschiedenster Flughäfen und so natürlich auch am Flughafen Wien-Schwechat. Doch können Flugzeuge einfach wie ein Auto geparkt werden? Bedarf es hier besonderen Vorkehrungen? Und wie viel kostet so ein Parking eigentlich? Jens Ritter, Chief Operating Officer (COO) von Austrian Airlines, gibt uns einen Einblick.

Zuallererst: Was sind denn normalerweise die Hauptaufgaben eines COO bei Austrian Airlines?

Hauptaufgaben als Austrian Airlines COO

Jens Ritter:

Grundsätzlich bin ich verantwortlich für die gesamte Operation bei Austrian Airlines. Das geht über die gesamte Technik, die Wartung und Bereitstellung der Flugzeuge, das gesamte Training der FlugbegleiterInnen und PilotInnen, die gesamte operative Steuerung – also zum Beispiel welcher Pilot und welche Flugbegleiterin müssen sich zu welchem Zeitpunkt auf welchem Flug befinden - bis hin zu wohin fliegen wir, welche Flugzeuge nutzen wir dazu und wie tauschen wir die Flugzeuge ab. Natürlich fällt darunter auch die Personalführung der PilotInnen und so auch die gesamte Ground Operation.

COO Jens Ritter

Konkret also die Stationen, der Check-In-Bereich, Ticketing und die Abfertigung auf dem Vorfeld. Dazu begleitend liegt ein ganz besonderes Augenmerk auf Safety und Compliance. Ich bin also dafür verantwortlich, dass die Vorschriften eingehalten werden und dass wir diesen konform gegenüberstehen.

Mit COVID-19 steht nun ein Großteil der Flugzeuge am Boden. Wie fühlt es sich an, jetzt geparkte Flugzeuge verwalten zu müssen?
Austrian Flugzeuge am Flughafen Wien

Verwaltung geparkter Flugzeuge

Jens Ritter:

Um ehrlich zu sein setzt es mir natürlich sehr zu, dass nahezu alle Austrian Flugzeuge ordentlich aufgereiht auf dem Vorfeld stehen und nun alles zum Erliegen gekommen ist - und das nicht durch Fehlentscheidungen, Missmanagement oder durch die Konkurrenz, sondern durch einen Virus. Das bedrückt uns allesamt natürlich sehr. Aber bei aller Traurigkeit richten wir auch den Blick nach vorne, denn es wird weitergehen. Wir werden damit umgehen können und es wird wieder geflogen werden. Wann das ist und in welchen Umfang das stattfinden wird, ist natürlich noch offen.

Wie viele Flugzeuge parken derzeit am Vorfeld in Wien-Schwechat?

Anzahl der geparkten Austrian Flugzeuge in Wien-Schwechat

Jens Ritter:

Hier am Vorfeld des Flughafens parken momentan 64 Flugzeuge, weitere acht Maschinen befinden sich in der Maintenance, also der Überholung. Zudem sind zwölf Flugzeuge für die Rückholflüge und Frachtflüge im Einsatz.

INFO

Ihr wollt mehr über die Rückholflüge von Austrian Airlines erfahren? Lest hier mehr dazu.

Was muss getan werden, damit ein Flugzeug geparkt werden kann? Was ist vorzubereiten?

Vorbereitungen und Voraussetzungen beim Parken von Flugzeugen

Jens Ritter:

Einer der wichtigsten Schritte ist die Abdeckung aller Öffnungen des Flugzeuges – also Triebwerke, Geschwindigkeitsmesser und alle anderen Öffnungen. So kann sich kein Schmutz, Tier oder Fremdkörper darin ansammeln. Dieser Prozess wird allerdings auch in Normalzeiten umgesetzt, wenn ein Flugzeug länger als 48 Stunden am Boden steht. Gemeinschaftlich mit dem Flughafen Wien-Schwechat und mit Blick auf unsere Flotte, wurde zudem geplant, in welcher Schachtelung die Flugzeuge überhaupt abgestellt werden können. So konnten wir uns auf eine sinnvolle und genaue Reihung einigen, auch mit Blick auf ein schnelles und mögliches Ramp-Up.

Austrian Flugzeuge am Vorfeld
Wie viele Personen sind für ein Parking notwendig?

Anzahl der benötigten Personen zum Parken der Flugzeuge

Jens Ritter:

Wir messen das immer in Mannstunden. Um ein Flugzeug, also zum Beispiel einen A320, zu parken, benötigen wir ungefähr 130 bis 150 Mannstunden. Mit rund 15 Mann à zehn Stunden, könnten wir das also an einem Tag schaffen. In der Praxis machen wir das aber immer über zwei bis drei Schichten hinweg, also mit etwa acht bis zehn Personen.

Wie viel kostet das Parken der Flugzeuge in etwa?

Parkkosten der Austrian Flugzeuge

Jens Ritter:

Der Parking-Prozess eines Flugzeuges benötigt, wie bereits geschildert, etwa 150 Mannstunden. Die Betreuung der Flugzeuge während des Parkens kalkulieren wir mit ungefähr 20 Mannstunden pro Woche. Wenn wir dann wieder losfliegen, benötigen wir nochmal etwa 150 Mannstunden, um die Flugzeuge wieder startklar zu machen.

Gibt es Herstellervorschriften beim Parken von Flugzeugen?
Abgedecktes Triebwerk einer Austrian Airlines Maschine

Herstellervorschriften beim Parken von Flugzeugen

Jens Ritter:

Jeder Hersteller hat bestimmte Vorschriften, die eingehalten werden müssen. Aufgrund der Erfahrungen, die wir stetig sammeln, gehen wir oft aber auch über das Maß der Hersteller hinaus. Jede Airline hat so zum Beispiel die Möglichkeit, Netze und Abdeckungen noch enger zu spannen, was wir bei Austrian Airlines häufig auch tun. Zudem kommt es bei uns häufig auch zu einem verfrühten Parking-Prozess. Das heißt, dass wir unsere Flugzeuge nicht erst nach 48 Stunden abdecken, sondern meist schon eher.

Werden die Reifen stets geprüft? Und müssen die Triebwerke gelegentlich gestartet werden?

Flugzeug-Check während der Parkens

Jens Ritter:

Es kommt immer darauf an, wie lange wir das Flugzeug am Boden stehen lassen. Grundsätzlich können wir ein Flugzeug, ohne es bewegen zu müssen, bis zu 3 Monate parken. Allerdings müssen wir auch hier zwischendurch die Flugzeuge aufbocken, um Fahrwerk, Bremsen und Reifen zu prüfen. Besonders auf die Reifen müssen wir ein besonderes Augenmerk legen. Die Triebwerke können bis zu 3 Monate abgedeckt bleiben. Vor Betrieb sind aber natürlich Inspektionen notwendig. Bevor also ein Testflug durchgeführt wird, werden die Triebwerke natürlich hochgefahren und getestet, um die Leistungsfähigkeit sicher zu stellen.

Geparkte Flugzeuge am Flughafen Wien-Schwechat
Was ist aktuell die größte Herausforderung?
Abgedecktes Triebwerk mit traurigem Smiley

Größte Herausforderung während der COVID-19-Krise

Jens Ritter:

Die Ungewissheit. In allen Bereichen ist das wohl die größte Herausforderung, der wir gerade begegnen. Wir fragen uns stetig: Wann zieht der Flugverkehr wieder an? Wie viele Maschinen werden wir benötigen? Wann brauchen wir das geschulte Personal? Dieser Ungewissheit steht aber aktuell die gesamte Industrie gegenüber, wenn nicht sogar die gesamte Wirtschaft. Allerdings sind wir auch gut vorbereitet. Wir sind stetig am analysieren und sind zuversichtlich, dass wir reibungslos starten können, sobald wir wieder dürfen.

Zum Schluss: Was ist am Ende notwendig, um das Flugzeug wieder in die Luft zu bekommen?

Notwendigkeiten beim Ramp-Up

Jens Ritter:

Zunächst werden wir wieder alle Abdeckungen entfernen, die Reifen und Bremsen testen sowie Hilfsturbine und Triebwerke starten. Wir werden die Hydraulikflüssigkeiten prüfen, alle Ruder und Klappen hydraulisch bewegen und testen sowie Funktionstests im Cockpit durchführen, inklusive Softwareupdates. Alles in allem also eine umfangreiche Inspektion. Bei einem A320 benötigt das laut Hersteller etwa 120 Mannstunden. Wir werden aber 150 Mannstunden nutzen, um den Betrieb effizient und so sicher wie nur möglich wieder hochzufahren.

Austrian Airlines Boeing 777 in der Luft

Noch mehr über die geparkten Austrian Flugzeuge erfahren

Ihr möchtet noch mehr über den Parking-Prozess der Austrian Flugzeuge erfahren? Dann hört euch unbedingt die Folge „Die Stehzeuge“ des Flightcasts an und erfahrt noch mehr über die geparkten Flugzeuge von Austrian Airlines:

Flüge finden

Hinflug
Rückflug
Passagiere

(bis 11 Jahre)

(ohne Sitz bis 24 Monate)

Das könnte dich auch interessieren

  1. Ein besonderer Flug nach Innsbruck

    Hinter den Kulissen
  2. Fliegen im Winter

    Hinter den Kulissen
  3. Das Austrian ABC

    Hinter den Kulissen