Austrian Netzwerkplanung in Zeiten von COVID-19

Wie plant man ein Netzwerk in Zeiten von COVID-19? Welche Kriterien gibt es? Und wie wählt man eigentlich die richtigen Destinationen?

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Austrian Airlines hebt wieder ab

Nach fast drei Monaten Flugstopp hat Austrian Airlines am 15. Juni 2020 den Flugbetrieb wiederaufgenommen. Im Juli folgen weitere Destinationen zu den bisher 37 angeflogenen Zielen. Anlass genug, um bei diesem Neustart genauer hinzusehen. Wie funktioniert ein solcher Neustart eigentlich? Warum wurden genau diese Destinationen gewählt? Und wie sieht es mit der aktuellen Nachfrage der Passagiere aus? All das klären wir in diesem Blogbeitrag mit Robert Heusmann, Senior Director Network Planning bei Austrian Airlines.

First things first: Was sind denn die Hauptaufgaben eines Netzwerkmanagers?

Hauptaufgaben eines Netzwerkmanagers bei Austrian Airlines

Robert Heusmann:

Im Wesentlichen kümmert sich ein Netzwerkmanager um die gesamte Planung des Netzwerkes - also wann wird welche Destination angeflogen, welches Fluggerät nutzen wir dafür und wie häufig fliegen wir die Destination an.

Austrian Airlines Netzwerkmanager Robert Heusmann
Das klingt im Normalfall schon kompliziert. Was ist denn die größte Schwierigkeit beim aktuellen Neustart?

Schwierigkeiten bei der Netzwerkplanung in Zeiten von COVID-19

Robert Heusmann:

Das Schwierigste am Neustart ist einerseits das Erkennen des richtigen Zeitpunkts und andererseits das Ausmaß. Also wann starten wir, wo fliegen wir hin, mit welchem Fluggerät und in welcher Frequenz. Das alles in Abwägung zu bringen ist schon komplex. Man muss aber fairerweise auch sagen, dass die Situation für uns alle neu ist. Doch auch vor und während des Lockdowns gab es hier einige Schwierigkeiten. Wir mussten uns stets die Fragen stellen: Wann stoppen wir den Flugbetrieb? Wie viele Destinationen fliegen wir noch an? Welche Auflagen gibt es? Jetzt wieder loszulegen ist dennoch ungleich komplexer - aber auch spannend.

Die Austrian Flugzeuge am Boden
Wo fängt man hier nun eigentlich an zu planen?

Start der Austrian Airlines Netzwerkplanung

Robert Heusmann:

Zu Beginn gibt es ein paar Grundprämissen, die wir einhalten müssen. Ein Punkt ist dabei besonders wichtig: Andere Hubs (Knotenpunkte) der Lufthansa Group anzubinden, um den Kunden möglichst viele Destinationen anzubieten. Ein weiterer Aspekt ist die Bedienung der „wichtigen“ Strecken, also der großen europäischen Destinationen, die eine hohe Point-to-Point-Nachfrage aufweisen. So ermöglichen wir es den Gästen aus Wien und der Welt, ohne umzusteigen von und nach Wien zu reisen. Das ist im Wesentlichen der erste Schritt. Anschließend beginnen wir damit, die Hubstruktur wieder aufleben zu lassen. Wir aktivieren also unsere Stärken, insbesondere in Südosteuropa, um darüber das Drehkreuz Wien in einem weiteren Schritt wieder anzubinden.

Wenn von „wichtigen Strecken“ die Rede ist, orientiert sich das am Passagieraufkommen oder Ertrag?
Austrian Airlines Boeing 777 in der Luft

Bedeutende Flugziele von Austrian Airlines

Robert Heusmann:

In erster Linie ist es natürlich wichtig, welche Reisenachfrage vorliegt - somit also primär das Passagieraufkommen. Das betrifft sowohl die großen europäischen Hauptstädte als auch die deutsche Fläche, wo wir in der Vergangenheit stark vertreten waren. Aber man sollte das Thema Wirtschaftlichkeit natürlich nicht außer Acht lassen. Es spielen also viele Faktoren rein.

37 Destinationen waren es zu Beginn. Warum genau diese Ziele?

Auswahl der Austrian Airlines Destinationen für den Neustart

Robert Heusmann:

Wie beschrieben, sind es vor allem diejenigen Strecken, die eine hohe Point-to-Point-Nachfrage aufweisen. Also Destinationen, die eine hohe Direktnachfrage aufzeigen und bei denen wir glauben, den ersten Verkehrsstrom wieder aufleben lassen zu können. In Richtung Osteuropa sind es zum Beispiel Gruppen von Reisenden, von denen wir ausgehen, dass sie auch als Erstes wieder fliegen wollen und werden. Sozusagen das „VFR-Segment“, also „Visiting friends and relatives“ (das Besuchen von Freunden und Familie).

Paar am Flughafen mit Mund-Nasen-Schutz
Glaubt man an diese Nachfrage oder gibt es reale Anzeichen?

Marktforschung bei Austrian Airlines

Robert Heusmann:

Wir haben reale Anzeichen. Zum einen tauschen wir uns mit den Kollegen in der Lufthansa Group aus, die ja auch während des Lockdowns noch teilweise geflogen sind und somit ein gutes Gespür für die Nachfrage haben. Zum anderen sehen wir welche Flugreisen aktuell gesucht werden und haben auch einen starken Vertrieb, der hier sehr feinfühlig ist und uns Rückmeldung gibt. Man muss aber auch sagen, dass das Buchungsverhalten der Kunden natürlich noch sehr zurückhaltend ist. Soll heißen, dass man sich auf andere Indikatoren als auf reine Buchungseingänge fokussieren muss.

Nun sind Buchungen ja wieder möglich. Besteht ein generelles Interesse?
Blick über die Bucht von Zakynthos

Nachfrage an Flugreisen bei Austrian Airlines

Robert Heusmann:

Interesse ist definitiv vorhanden. Bei manchen Strecken gab es sofort eine hohe Anfrage, andere Destinationen benötigen wohl noch etwas länger. Insgesamt merken wir aber auch, dass das Buchungsverhalten wesentlich kurzfristiger geworden ist. Wir reden also von etwa ein bis zwei Wochen. Das hängt wohl aber auch damit zusammen, dass viele Reisebeschränkungen erst zum 15. Juni gefallen sind oder noch in letzter Sekunde verlängert werden, was wiederum nochmal Eingriffe fordert. Somit ist es sehr viel kurzfristiger geworden. Dennoch sind wir froh, wieder am Markt mitspielen zu können.

Und wie sieht es mit der Langstrecke aus?

Austrian Airlines Langstrecke

Robert Heusmann:

Langstreckenflüge sind ab Juli geplant. Natürlich auch mit einem entsprechenden Anfangsprogramm und nicht in der Stärke, die man bisher gewohnt war. Traditionell ist Austrian Airlines ja besonders stark im Hinblick auf Nordatlantikflüge, weswegen wir diese von Anfang an aufnehmen werden. Da wir uns aber auch im Rahmen der Star Alliance bewegen, gehen wir natürlich auch verstärkt auf die Drehkreuze der Partner ein - also vor allem Chicago, Newark und Washington. Das sind grob die Destinationen, die wir im Sommer hochfahren werden.

Blick auf den Chicago River

Vielen Dank, lieber Robert, für den Blick hinter die Kulissen der Netzwerkplanung in Zeiten von COVID-19. Weiterhin alles Gute und bleib gesund!

Gemeinsam mit Austrian Airlines die Welt neu entdecken

Die Wolken an einem vorbeiziehen lassen, neue Destinationen kennenlernen und einfach nur den „Charming Way to Fly“ erleben? Entdeckt jetzt mit Austrian Airlines die Welt neu! Unsere aktuellen Destinationen findet ihr hier.

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Ihr möchtet noch mehr über die Netzwerkplanung in Zeiten von COVID-19 erfahren? Dann hört euch die gesamte Folge „Der Neustart“ des Flightcasts an und erfahrt noch mehr über Wiederaufnahme des Flugbetriebs von Austrian Airlines.

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