Die Austrian Covid-19 Tested Flights

Mit Schnelltests zurück zum normalen Flugbetrieb? So zumindest die Devise. Mehr dazu im Interview zu den Austrian „Tested Flights“.

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Infoblatt zur Teststraße am Flughafen Wien

© Martin Steiger | Flughafen Wien AG

Die Austrian Airlines Tested Flights

Auch nach mehr als einem halben Jahr hat die Corona-Krise unseren Alltag und insbesondere die Luftfahrt noch immer voll im Griff. Die Infektionszahlen nehmen weiterhin zu und eine Reisewarnung jagt die nächste. Auch wenn unsere strikten Hygienemaßnahmen und das Belüftungssystem an Bord für einen höchstmöglichen Schutz sorgen, mangelt es derzeit noch an Vertrauen und einem System, welches sorglose Reisefreiheit und Sicherheit garantiert. Aus diesem Grund hat Austrian Airlines, in enger Zusammenarbeit mit der Lufthansa Group sowie dem Flughafen Wien, das Pilotprojekt „Tested Flights“ ins Leben gerufen. Die erste erfolgreiche Phase konnte Anfang November 2020 bereits abgeschlossen werden.

In der zweiten Phase wird die Teststrategie nun auf ausgewählten Austrian Airlines Flügen zwischen Wien und Hamburg integriert, um einen langfristigen Einsatz von COVID-19 Antigen-Schnelltests in die Reisekette zu überprüfen.

Wie man all das umsetzen möchte, wie ein Antigen-Schnelltest konkret aussieht und welches Ziel man damit verfolgt, das verraten uns Peter Kleemann (Unternehmenssprecher der Flughafen Wien AG), Julian Jäger (Vorstandsdirektor der Flughafen Wien AG) und Jens Ritter (Chief Operating Officer der Austrian Airlines AG) im Interview.

Teststraße am Flughafen Wien

© Martin Steiger | Flughafen Wien AG

Wie läuft der Antigen-Schnelltest am Flughafen Wien ab?
Frau begibt sich in Teststraße am Flughafen Wien

© Martin Steiger | Flughafen Wien AG

Die Teststraße am Flughafen Wien

Peter Kleemann:

Zu Beginn der Teststraße legt jeder Passagier seine Bordkarte vor. Diese Bordkarte wird eingescannt und der Passagier erhält dann sein persönliches Testkit, welches mit der Bordkarte digital verknüpft ist. Bei Bedarf kann auch die Handynummer angegeben werden, sodass man das Ergebnis direkt als SMS zugesendet bekommt. Dann geht der Passagier zum eigentlichen Test, der vom medizinischen Personal des Flughafens durchgeführt wird. Dieser Test dauert nur wenige Minuten und wenn der Test durchgeführt wurde, verlässt der Passagier die Teststraße und wartet auf das Ergebnis.

Welche Genauigkeit bietet der Antigen-Schnelltest?

Genauigkeit der Antigen-Schnelltests

Peter Kleemann:

Der Antigen-Schnelltest zielt auf die Virenlast ab und erkennt vor allem hohe Virenlast. Das heißt, dass hochansteckende Personen, die das Virus leicht weitergeben können, von einem solchen Schnelltest auf jeden Fall erfasst werden können. Das ist auch im Wesentlichen der Unterschied zum PCR-Test, der ein Molekulartest ist und auch niedrigere Virenlast erfasst. Vorteil des Schnelltests ist aber das flotte Ergebnis. Innerhalb von 10 bis 15 Minuten ist das Ergebnis vorhanden, während ein PCR-Test viel mehr Zeit in Anspruch nimmt.

Ansicht eines Antigen-Schnelltests

© Martin Steiger | Flughafen Wien AG

Für den Flughafen ist der Schnelltest besonders vorteilhaft, weil er großflächig einsetzbar ist und die kurze Auswertungszeit einfach in einen normalen Passagierbetrieb eingebunden werden kann. Er liefert schnelle Ergebnisse und somit können viele Menschen innerhalb kürzester Zeit getestet werden.

Wie funktioniert der Antigen-Schnelltest?

Vorgehensweise der Antigen-Schnelltests

Peter Kleemann:

Derzeit übernehmen vorwiegend die Mitarbeiter des Medical Centers des Flughafen Wiens die Testungen. Mittels Rachenabstriche werden Speichelproben entnommen und in einer Flüssigkeit aufgelöst. Auf dem Testkit kann man dann erkennen, ähnlich wie bei einem Schwangerschaftstest, ob das Ergebnis positiv oder negativ ist. In Summe sind es also vier Schritte: Rachenabstrich entnehmen, Abstrich für zwei Minuten in einer Flüssigkeit auflösen lassen, Probe auf den Teststreifen geben und etwa 15 Minuten warten.

Entnahme eines Rachenabstrichs für den Schnelltest

© Martin Steiger | Flughafen Wien AG

Warum wurde das Projekt ins Leben gerufen?
Vorstandsdirektor der Flughafen Wien AG Julian Jäger

© Martin Steiger | Flughafen Wien AG

Beweggründe für die Tested Flights

Julian Jäger:

Bisher hat die Politik leider nur zögerlich gehandelt, was die Teststrategie betrifft. Wir möchten mit dieser Maßnahme beweisen, dass es funktionieren kann und verdeutlichen, dass es konkreten Lösungen bedarf. Die Luftfahrtbranche erfährt aktuell die global stärkste Krise seit Beginn der Luftfahrt. Insbesondere Europa hat die Krise hart getroffen. Wir leiden besonders unter den vielen unkoordinierten Reisewarnungen und Einreisebestimmungen. Wir glauben, dass eine gemeinsame europäische Teststrategie der richtige Weg sein kann, um die Sicherheit in der Luftfahrt nochmals zu erhöhen.

Gleichzeitig möchten wir so aber auch etwas zur Eindämmung der Pandemie beitragen, indem Menschen mit einer hohen Virenlast herausgefiltert werden und so die Gefahr der Weiterverbreitung möglichst vermieden werden kann. Mit dem Projekt möchten wir beweisen, dass unsere Teststrategie auch flächendeckend im europäischen Flugverkehr einsetzbar ist.

Jens Ritter:

Dem kann ich mich nur anschließen. Wir möchten als Fluggesellschaft vor allem die Mauern und Blockaden wieder auflösen, die sich durch Corona entwickelt haben. Wir sind der Überzeugung, dass die Themen Gesundheitsschutz und Reisefreiheit durch kontrollierte Tests vereinbar sind und wir so auch der Politik eine gewisse Sicherheit geben können. Es soll ein Weg sein, um einerseits den Tourismus und die Wirtschaft wieder anzukurbeln und um andererseits einen Schutz für uns, das Land und die Bevölkerung zu bieten. Wir glauben daran, dass wir mit dieser Initiative Türen öffnen können, um das Fluggeschehen weiter aufrechtzuerhalten und es in Zeiten wie diesen weiter ausbauen zu können.

Chief Operating Officer der Austrian Airlines AG Jens Ritter

© Martin Steiger | Flughafen Wien AG

An einer europäischen Lösung führt in Ihren Augen aber kein Weg vorbei?
Ausgabe des Testkits

© Martin Steiger | Flughafen Wien AG

Gemeinsame europäische Tested Flights

Julian Jäger:

Wir erkennen zumindest den großen Unterschied zwischen China und Europa. Alle anderen Kontinente und größeren Länder sind irgendwo dazwischen. In China ist der internationale Verkehr weiterhin eingeschränkt, der Verkehr der Inlandsflüge aber quasi auf dem Niveau vor der Krise. Europa hat den stärksten Passagierrückgang weltweit. Warum? Weil Europa in 27 Nationalstaaten zerfallen ist und es kein gemeinsames Vorgehen gibt. Aus meiner Sicht müsste es gemeinsam definierte Mindestmaßnahmen innerhalb der EU geben.

Man müsste sich überlegen, was sind die Maßnahmen für all jene, die in den Schengen-Raum einreisen möchten. Nur dann, wenn die Menschen das Vertrauen wiederhaben, dass sie problemlos hin- und zurückfliegen können, nur dann wird es auch wieder eine gesteigerte Nachfrage nach Flügen geben. Denn die Menschen wollen ja reisen, aus unterschiedlichsten Gründen.

Aber zurzeit ist es die Vielzahl an Reiseeinschränkungen, die den Menschen das Reisen verleidet. Aus unserer Sicht kann der flächendeckende Einsatz von Schnelltest also ein erster Schritt sein, um die Reisefreiheit innerhalb der EU wieder möglich zu machen.

Auflösen des Rachenabstrichs in einer Flüssigkeit

© Martin Steiger | Flughafen Wien AG

Der Test ist noch nicht anerkannt. Welche Sicherheit bietet er dann?
Ansicht der Antigen-Teststreifen

© Martin Steiger | Flughafen Wien AG

Sicherheit der Antigen-Schnelltests

Julian Jäger:

Der Test erhöht die Sicherheit, weil wir mit ihm insbesondere Personen mit hoher Virenlast identifizieren können. Die sogenannten „Superspreader“. Ich bin davon überzeugt, dass die Luftfahrt nach aktuellem Stand schon das sicherste Verkehrsmittel ist und diese Maßnahme noch mehr Sicherheit schafft. Die Maßnahmen am Flughafen Wien und auch an Bord werden dadurch aber natürlich nicht obsolet.

Was passiert bei einem positiven Antigen-Schnelltest?

Positive Antigen-Schnelltests

Julian Jäger:

Der Passagier wird immer per SMS verständigt. Ist das Testergebnis negativ, wird seine Bordkarte freigeschalten. Wenn das Ergebnis positiv ist, wird seine Bordkarte nicht freigeschalten und er muss zu einem Schalter im Terminal kommen, wo er auf einen Amtsarzt trifft. Dieser wird eine Untersuchung vornehmen und dann über die weiteren Schritte entscheiden. Unsere erste Testphase fand auf freiwilliger Basis statt. In Folge soll es aber auf Flügen verpflichtend sein, entweder einen negativen PCR-Test vorzuweisen oder sich in der Teststraße negativ via Antigen-Schnelltest testen zu lassen.

Ansicht des Testergebnisses als SMS

© Martin Steiger | Flughafen Wien AG

Wann hat der Test aus Ihrer Sicht sein Ziel erreicht?
Freischaltung der Bordkarte nach negativem Test

© Martin Steiger | Flughafen Wien AG

Zielsetzung der Austrian Tested Flights

Jens Ritter:

Die erste Testphase hat sicherlich ihr Ziel erreicht, da wir die Antigen-Schnelltests nahtlos in unsere Reisekette einbringen konnten. Nach der freiwilligen Testphase haben wir mit den verpflichtenden Tests gestartet und prüfen die Anwendung nun im Detail. Soll heißen: Wie können wir gewährleisten, dass wir mit verpflichtenden Tests einen Flugbetrieb durchführen können? Sowohl ins Ausland als auch wieder zurück. Die genauen Ziele sind also klar. Wir wollen die Sicherheit weiter steigern, die ohnehin schon hoch ist, und wir wollen die Reisebeschränkungen, die wir derzeit erleben, ein Stück weit zurückfahren. Dadurch soll das Reisen dann wieder robuster und zuverlässiger werden.

Sollen die Tests auf alle Flügen ausgeweitet werden?

Ausweitung der Teststrategie

Julian Jäger:

Ich würde sagen: Schritt für Schritt. Wir haben mit den Testflügen sicherlich den ersten großen Meilenstein geschafft. Diese Teststation beweist, dass es grundsätzlich möglich ist, Schnelltests in den Flughafenprozess zu integrieren. Im nächsten Schritt werden wir die Akzeptanz der Passagiere in Hinblick auf Flüge, die ganzheitlich getestet werden, genauer betrachten. Im dritten Schritt gilt es dann die Umsetzbarkeit der Teststrategie zu überprüfen, wenn wir nicht mehr nur von dutzenden Passagieren, sondern von hunderten oder tausenden von Passagieren pro Tag reden.

Untersuchung des Rachenabstriches

© Martin Steiger | Flughafen Wien AG

Das wird dann logistisch sicherlich noch mal ein anderer Aufwand sein, aber es ist eben genau unser Ziel nachzuweisen, dass es möglich ist diese Tests auch im größeren Stil durchzuführen. Dementsprechend werden wir dann natürlich auch mit der Politik über eine Ausweitung dieser Tests in der Zukunft diskutieren.

Noch mehr über die Tested Flights erfahren

Vielen Dank an Peter Kleemann, Julian Jäger und Jens Ritter für das ausführliche Interview und den exklusiven Blick hinter die Kulissen.

Welche sonstigen Sicherheitsmaßnahmen und Vorkehrungen Austrian Airlines bereits unternimmt und wie ihr euch sorgenfrei auf eure nächste Reise in Zeiten von Corona vorbereiten könnt, das erfahrt ihr hier. Weitere Informationen zu den Testflügen findet ihr hingegen hier.

Ihr wollt noch mehr über das Projekt erfahren? Dann hört euch die gesamte Folge „Einführung von Antigen-Schnelltests“ des Flightcasts an und erfahrt noch mehr über die Tested Flights von Austrian Airlines.

Titelbild: © Martin Steiger | Flughafen Wien AG

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